Die Medienseuche HIV/Aids und die Berichterstattung im Deutschen Ärzteblatt 1983–1985

Authors

  • Carolina Reichold

Abstract

Der vorliegende Beitrag untersucht die Berichterstattung zu HIV/Aids zu Beginn der 1980er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland und deren Einfluss auf die gesellschaftliche Wahrnehmung der Krankheit sowie der von ihr betroffenen Personen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass HIV/Aids trotz erheblicher medizinischer Fortschritte bis heute mit Stigmatisierung und Diskriminierung verbunden ist, deren Ursprünge maßgeblich in den Anfangsjahren der Epidemie zu verorten sind. Vor diesem Hintergrund steht die Frage im Zentrum, welche Narrative und Merkmale die frühe Berichterstattung prägten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Berichterstattung der allgemeinen Presse maßgeblich zur Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen beitrug, indem HIV/Aids überwiegend als gruppenspezifische Bedrohung dargestellt wurde. Das Deutsche Ärzteblatt weist demgegenüber insgesamt eine sachlichere und weniger sensationalistische Berichterstattung auf, greift jedoch ebenfalls dominante zeitgenössische Narrative auf und reproduziert teilweise die enge Verknüpfung von HIV/Aids mit Homosexualität. Der Beitrag verdeutlicht damit die zentrale Rolle medialer Diskurse in den frühen Jahren der Epidemie und zeigt auf, wie diese langfristig zur Verfestigung von Vorurteilen und Stigmatisierungsprozessen beigetragen haben.

Published

2026-07-10