Zwischen Modalpartikel und Modalwort: Grammatikalisierungstendenzen von glaub(e) (ich)

Autor/innen

  • Pascal Edenhart

Abstract

Der Artikel untersucht Grammatikalisierungstendenzen des gesprochen-sprachlichen Ausdrucks glaub(e) (ich), der in der Forschung je nach konkreter Verwendungsweise als Grenzfall zwischen Matrixsatz, Modalwort und Modalpartikel beschrieben wird. Auf Basis der Grammatikalisierungstheorie wird der Versuch unternommen, die Thematik diachron zu rahmen und eine Zielkategorie zu identifizieren, in deren Richtung sich der Ausdruck entwickelt. Untersucht wird die Hypothese, dass sich bei glaub(e) (ich) ein laufender Grammatikalisierungsprozess hin zu einer Modalpartikel beobachten lässt. Die qualitative Untersuchung von synchronen Sprachdaten aus dem gesprochensprachlichen Korpus FOLK zeigt, dass sich mit den Prozessen Desemantisierung, morpho-syntaktische Dekategorisierung sowie phonetische Reduktion drei der vier Grammatikalisierungsparameter von Heine / Kuteva (2007) belegen lassen. Während sich ein bereits fortgeschrittener Grammatikalisierungsprozess also grundsätzlich feststellen lässt, ergibt die Frage nach einer möglichen Zielkategorie ein ambivalentes Bild. Bei glaub(e) (ich) könnte es sich in Analogie zum Wort wohl perspektivisch um ein Zwitterphänomen handeln, das in morphosyntaktischer und prosodischer Hinsicht als Modalpartikel, in semantisch-pragmatischer Hinsicht hingegen als Modalwort analysiert werden muss.

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Veröffentlicht

2026-07-10