Natur, Landschaft und Mensch in Andrej Zvjagincevs Film Leviafan (2014)
Abstract
Der folgende Beitrag analysiert die Landschaftsdarstellung des vielfach ausgezeichneten Spielfilms Leviafan des russischen Regisseurs Andrej Zvjagincev unter der Annahme, dass filmische Landschaft neben ihrer Kulissenfunktion auf komplexe Sinnzusammenhänge verweisen kann, die über die Kernerzählung hinausgehen. So lassen sich an den Aufnahmen der Küstenregion am Nordpolarmeer nicht nur ein Panorama des gegenwärtigen, von Korruption und Machtmissbrauch geprägten Russlands, sondern auch eine allgemeine Kritik an der Zentralstellung des Menschen in der Welt ablesen. Neben der transzendentalen Naturbetrachtung in den kanonischen Werken des sowjetischen Regisseurs Andrej Tarkovskij greift der Film insbesondere auf Denkfiguren aus dem 18. Jahrhundert zurück, indem er die der Malerei entspringende Selbstvergewisserung des Menschen in der Natur visuell-ästhetisch entkräftet.
